Der Magistrat der Stadt Rödermark informiert...
Pressemitteilung 29-2026
Bürgermeister Jörg Rotter
und Erste Stadträtin Andrea Schülner
vom 30.01.2026
„Die anständige Mehrheit muss lauter werden“
Eloquent und einfühlsam: Makkabi-Präsident Alon Meyer war auf Einladung der Stadt und der NBS zu Gast in Rödermark
„Wer von Ihnen hier in der Aula hat heute Morgen beim Weggehen von zu Hause überlegt, ob bei der Bekleidung aus Sicherheitsgründen auf irgendetwas zu achten ist? Niemand? Ich schon, bei mir und meiner Familie ist das leider Alltag geworden.“ Mit diesen Worten hat Alon Meyer, der Präsident des jüdischen Sportverbandes Makkabi Deutschland, in der Nell-Breuning-Schule aufhorchen lassen.
Denn die Erklärung schickte er postwendend hinterher: Eine Kette mit Davidstern sichtbar tragen, eine Kippa-Kopfbedeckung, eine Trainingsjacke oder ein Sakko mit Makkabi-Emblem – das könnte Anfeindungen oder gar tätliche Angriffe im öffentlichen Raum zur Folge haben. Ungehemmt zur Schau gestellter Antisemitismus und Rassismus seien leider, nicht zuletzt im Gefolge der jüngsten Konflikt-Eskalation in Israel und im Gazastreifen, ein trauriges Phänomen unserer Zeit.
Oder anders gesagt: Tabubrüche, die in Anbetracht der geschichtlichen Erfahrungen in Deutschland doch eigentlich als unbegreiflich und undenkbar gebrandmarkt sein sollten. Meyer betonte: „Furchtbar ist diese Kollektivhaftung, in die Menschen jüdischen Glaubens von manchen Zeitgenossen mit extremer Gesinnung gedrängt werden. Gerade so, als seien sie Botschafter der israelischen Regierung. Als müssten sie für deren Entscheidungen, die sie vielleicht oft selbst nicht nachvollziehen können, persönlich geradestehen.“
Die Schlussfolgerung, die der Gast aus Frankfurt bei der diesjährigen Zusammenkunft anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus formulierte, war gleichwohl nicht von Resignation durchzogen. Im Gegenteil: Sie klang kämpferisch und entschlossen.
Meyers Appell: „Die anständige Mehrheit hier in unserem Land muss einfach lauter werden.“ Zivilcourage zeigen und widersprechen überall dort, wo menschenverachtender Geist zum Vorschein kommt: Das, so Meyer, sei für ihn die Messlatte, an der sich soziales Miteinander festmachen lasse. „Denn der Umgang mit Juden ist doch letztendlich ein Seismograph, der etwas Unheilvolles anzeigt. Wer heute eine gesellschaftliche Minderheit ausgrenzt und schlecht behandelt, wird es morgen vielleicht oder sogar wahrscheinlich auch mit anderen Gruppen so machen.“
Auffällig bei der Vortrags- und Dialogveranstaltung, die die Stadt Rödermark und die Nell-Breuning-Schule alljährlich gemeinsam rund um den Gedenktag am 27. Januar organisieren, waren auch diesmal die Eloquenz und das Einfühlungsvermögen des prominenten Besuchers. Analog zu Michel Friedman und Daniel Cohn-Bendit in den Vorjahren, schlug auch Meyer den Bogen von der Geschichte zur Gegenwart. Er sprach wunde Punkte offen an, souverän und argumentativ stark, ohne moralischen Eifer. Seine Botschaften, so der allgemeine Eindruck nach dem Vortrag und einer kurzen Frage-und-Antwort-Runde zum Ausklang, drangen durch zu den Jugendlichen der NBS-Oberstufe.
So gab es einen interessanten Schnelldurchlauf durch die Makkabi-Sportgeschichte und deren internationale Verflechtungen. Zur Sprache kam auch die Öffnung, die Deutschlands mit Abstand größter Einzelverein unter dem Dach des Verbandes, TuS Makkabi Frankfurt (ebenfalls angeführt von Meyer als Präsident), in den zurückliegenden Jahren praktiziert hat. „Es gab Diskussionen bei uns im Klub, wie weit wir mit dem Etikett ‚Für alle‘ gehen sollten. Aber es zeigt sich, dass der Weg richtig ist und dass wir jetzt viel stärker in unser Umfeld ausstrahlen und Austausch pflegen können“, erläuterte Meyer.
Auf seiner Homepage wirbt Makkabi Frankfurt mit einem Slogan, der Zahlen auflistet: „5.500 Mitglieder, 87 Nationen, 28 Abteilungen, 12 Religionen – eine Familie.“
Der Grundkurs Musik des 13. Jahrgangs der NBS brachte ein kurzes Theaterstück zum Thema „Vergessene jüdische Komponisten“ auf die Bühne. Dabei standen Künstler im Fokus, die von der NS-Diktatur geächtet, verfolgt, vertrieben und ermordet wurden. Prominent bis heute, als einziger nicht „vergessen“, was musikhistorische Bedeutung anbelangt: Arnold Schönberg.
Schulleiterin Christine Döbert und ihr Kollege Andreas Zies, der die Veranstaltung federführend organisiert hatte, freuten sich über die positive Resonanz – genauso wie die Erste Stadträtin Andrea Schülner. Deren Erwartungshaltung sollte sich bestätigen: „Ich bin überzeugt, dass wir mit Alon Meyer einen idealen Redner und Gesprächspartner eingeladen haben. Ideal deshalb“, so Schülners Tenor, weil „fruchtbarer Brückenschlag“ von dem 51-Jährigen nicht nur propagiert, sondern aktiv vorgelebt werde.