Der Rödermärker Hochschultag am 23.03.2026
Am 30. Rödermärker Hochschultag, initiiert von der Oswald-von-Nell-Breuning-Schule in Kooperation mit der Stadt Rödermark, war mit Herrn Professor Andreas Haidvogl von der Hochschule Darmstadt ein renommierter Politikwissenschaftler und Friedensforscher in der Kulturhalle in Rödermark zu Gast. Es wurde ein inspirierender und diskursiver Abend. In seinem mit eingängigen Bildern, Grafiken und Videos unterstützten Vortrag ging er sowohl auf die strukturellen Probleme der UNO durch die Blockadepolitik im UN-Sicherheitsrat als auch auf den Bruch des Völkerrechts seitens der USA, Russland oder China ein. Gleichwohl machte er auf die Bedeutung der UNO aufmerksam, da die Vereinten Nationen zwar reformbedürftig, aber immer noch die bedeutsamste Organisation seien, welche sich für den Weltfrieden und das Völkerrecht einsetze.
In seinem Vortrag ging Prof. Haidvogl zunächst auf die Geschichte der Vereinten Nationen ein, dabei beleuchtete er das Scheitern des Völkerbundes, das wesentlich zur Gründung der Vereinten Nationen beigetragen habe. Im Sicherheitsrat seien die Siegermächte des 2. Weltkrieges jeweils ständige Mitglieder. Durch das Vetorecht der ständigen Mitglieder würden Entscheidungen erschwert. Auch Fragen aus dem Publikum beschäftigten sich mit der Möglichkeit einer Reform dieser Institution. Prof. Haidvogl sieht eine Reform jedoch als unwahrscheinlich an, da dafür die ständigen Mitglieder auf Macht verzichten müssten. Auch eine Neugründung einer weltweiten Organisation für den Weltfrieden hält er für kaum möglich. Als Erfolg der Vereinten Nationen sieht er die Verrechtlichung der Beziehungen der Völker an. Sogar Wladimir Putin berufe sich bei seinem – offensichtlichen Angriffskrieg auf die Ukraine - auf das Völkerrecht, und sowohl China als auch die russische Föderation bezeichneten den amerikanischen Angriff auf den Iran als völkerrechtswidrig. Daran könne man erkennen, dass „die Schurken der Welt“ zumindest den Anschein von rechtmäßigem Handeln erwecken wollten. Die Frage aus dem Publikum, wie er dazu stehe, dass viele Staaten das eigentlich völkerrechtswidrige Verhalten der USA mit Blick auf die vom Iran ausgehende Bedrohung gutheißen, beantwortete er damit, dass er zwar Verständnis für diese Position habe, aber in der Bewahrung und Einhaltung des Völkerrechts die höhere Bedeutung sehe.
Die völkerrechtliche Möglichkeit einen Tyrannen zu stürzen bejahte Prof. Haidvogl, dies sei bisher jedoch nur einmal vorgekommen, als Gaddafi in Libyen von einer internationalen Koalition gestürzt wurde. Prof. Haidvogl endete mit einer zentralen Aussage vom ehemaligen Generalsekretär der UN Dag Hammarskjöld:
"Die Vereinten Nationen wurden nicht geschaffen, um uns in den Himmel zu bringen, sondern um uns vor der Hölle zu retten".
Sie seien also nicht perfekt, aber das Beste, was wir hätten, um den Weltfrieden zu bewahren, und die Vereinten Nationen würden laut Prof. Haidvogl auch die jetzige amerikanische Regierung überstehen.
Der Ablauf des Hochschultages gestaltete sich abwechslungsreich. Die Europasonggruppe hatte den Abend mit zwei selbstgeschriebenen Songs stimmungsvoll gestartet, Frau Schülner, die Erste Stadträtin und Schulleiterin Christine Döbert richteten einleitende Worte an die Zuhörenden und Frau Heinsohn, die Koordinatorin des Hochschultages, stellte kurz den Referenten vor. Im Anschluss an den Vortrag entstand eine lebhafte Debatte, in welcher auch aktuelle Konflikte angesprochen wurden und mögliche Lösungsansätze dort zur Sprache kamen. Insgesamt wurde deutlich, dass das Interesse an einer Auseinandersetzung mit der Bedeutung der UNO, aber auch ihrer Reformbedürftigkeit, gegenwärtig sehr hoch ist und dieser Hochschultag eindeutig zu einer tiefgründigeren Auseinandersetzung beitrug.
Hans Heckroth und Stefanie Heinsohn