Zum Inhalt springen

Lernentwicklungsgespräche

Der Rahmen: Lernentwicklungsgespräche führen

Schule hat den Erziehungsauftrag, die einzelnen Schülerinnen und Schüler individuell zu Fördern und zu Fordern. Gemäß diesem Grundsatz führt die NBS seit 2014 in allen Klas­sen der Jahrgangsstufe 5 Lernentwicklungsgespräche durch. Lernentwicklungsgespräche sind schülerzentrierte, ressourcen-orientierte Lehrer-Schüler-Eltern-Gespräche, in denen die Schülerinnen und Schüler ihre im Unterricht und in der Praxis erworbenen fachlichen und überfachlichen Kompetenzen in Bezug auf ihren Lernstand reflektieren und ihre nächsten Schritte zur Erweiterung ihrer Kompetenzen im Hinblick auf eine zielgerichtete Lernentwicklung planen.[1]

Inhalte der Lernentwicklungsgespräche sind:

  • die individuelle Lernentwicklung
  • der Lernstand aller Fächer und Lernbereiche
  • die überfachlichen Kompetenzen
  • die nächsten Lernziele und –schritte der Schülerin/des Schülers
  • auf Wunsch: Berufs- und Studienwegeplanung (ab Jg. 8)

Die Lernentwicklungsgespräche dauern in der Regel 30- 45 Minuten.

Die Vorbereitung der Lernentwicklungsgespräche

Alle Beteiligten bereiten sich im Vorfeld (2-4 Wochen vorher) auf das Gespräch vor. Die Schülerinnen und Schüler bekommen zur Vorbereitung einen Selbsteinschätzungsbo­gen, den sie eigenständig ausfüllen. Die Eltern erhalten einen Fragebogen, in dem sie sich mit den Stärken und Schwächen ihres Kinders auseinander setzen. Das Abfragen zum Lern- und Leistungsstand der Schülerinnen und Schüler erfolgt über einen Beobachtungsbö­gen, die die Fachlehrer zu jedem Kind ausfüllen.

Die Durchführung

 
Phasen des Lernentwicklungsgespräches

Phase 1:

  • Begrüßung und Erläuterung von Ablauf und Ziel des Gesprächs
  • Schüler stellt eigene Reflektion über Lernverhalten, Stärken und Schwächen und evtl. Ziele vor
  • Eltern tragen ihre Wahrnehmung bei
  • HL beschreibt Wahrnehmung durch die unterrichtenden Lehrkräfte
  • Abgleich zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung

Phase 2:

  • Festlegung der Lernziele (max. zwei) durch die Schüler:
  • Was nehme ich mir vor?
  • Was will ich dafür tun?
  • Wer kann mich wie unterstützen?
  • Woran kann ich erkennen, dass ich mein Ziel erreicht habe?
  • Wann will ich dieses Ziel erreicht haben?

Phase 3:

  • HL und Schüler unterschreiben die Vereinbarung
  • Zusammenfassung und Rückmeldung zum Gespräch

Lernvereinbarungen mit Schülern treffen

 

Konkrete Handlungsschritte mit Lernvereinbarungen verbindlich umsetzen

Die Idee Lernverträge, Lernkontrakte oder Lernvereinbarungen abzuschließen, ist nicht neu. Im Rahmen des Qualitätsmanagements gibt es in vielen Betrieben und Institutionen Ziel- und Leistungsvereinbarungen, durch die Prozesse verbindlich und zielorientiert ge­steuert werden. In den Hochschulen der USA gibt es bereits eine lange Tradition in der Arbeit mit Lernvereinbarungen. Studenten setzten sich eigene Ziele und schließen dar­über mit ihren Hochschullehrern Verträge ab.

Aus der Schweiz sind Lernkontrakte vor allem aus der Begabtenförderung bekannt. Auch an der NBS wird dies in der Hochbegabtenförderung praktiziert. Schüler und Schülerin­nen setzen sich eigene Ziele und schließen für besondere Projekte, an denen sie individu­ell und eigenständig arbeiten, mit ihren Lehrern Lernvereinbarungen ab. Im Segelunterricht der Schule setzen sich die Schüler im Rahmen des Segelplans eigene Tages- bzw. Wochenziele und reflektieren ihr Erreichen.

Schüler und Schülerinnen erhalten durch eine Lernvereinbarung Hilfestellung und Orien­tierung zur Erreichung ihrer Ziele. Die Vertragsform verleiht dem Lernprozess eine grö­ßere Ernsthaftigkeit. Schülerinnen und Schüler übernehmen Verantwortung für ihr eige­nes Lernen. Mit einer Lernvereinbarung wird ein Schritt auf dem Weg zu einer individuel­len Lernplanung in Bezug auf kognitive, methodische, personale und soziale Kompeten­zen vorgenommen, und kleinschrittig festgehalten.

Lernvereinbarungen beinhalten:

  • Selbst definierte, klare, erreichbare Ziele
  • Schritte, die zu bewältigen sind
  • Verbindlichkeit durch überschaubare Termine
  • Erfolgserlebnisse als Motivation für die nächsten Schritte.

Eine Lernvereinbarung besteht aus 6 Teilen:

1. Ziel: Was möchte ich erreichen? Was nehme ich mir vor?

2. Handlungsschritte: Was will ich tun?

3. Unterstützung: Wer kann mir dabei helfen?

4. Indikator: Woran erkenne ich, dass ich mein Ziel erreicht habe?

    Mit wie viel Prozent Erfolg rechne ich?

5. Terminierung: Wann will ich dieses Ziel erreicht haben?

6. Datum, Unterschriften

Überprüfung der Lernvereinbarung: Habe ich mein Ziel erreicht?

Im Abstand von ca. 4-8 Wochen nach dem Lernentwicklungsgespräch, erfolgt eine Nachbesprechung zwischen Schüler und Hausleitung über die vereinbarten Ziele. Dabei ist wichtig zu reflektieren, was gut geklappt hat oder was die Ursachen für das Nichterreichen eines Ziels gewesen sein könnte. Aus der Reflektion ihres Handels können die Schüler Konsequenzen für zukünftiges Handeln ableiten.

Zentrale Fragen der Nachbesprechung sind:

  • Ist das Lernziel erreicht?
  • Was hat gut funktioniert, was nicht?
  • Welche Unterstützung ist evtl. noch gewünscht / nötig?
  • Gibt es neue Ziele?

Umsetzung und Anbahnung der Arbeit mit Lernvereinbarungen im Unterricht

 

Sich eigene Ziele setzen?

„Das einzige Ziel, gegen das ein Mensch

sich nicht wehrt, ist sein eigenes“ (Reinhard K. Sprenger)

Die richtige Formulierung des Zieles in einer Lernvereinbarung hat eine große Bedeutung für das Erreichen eines Zieles. Wichtig ist die erfolgreiche Zielerreichung, denn nur durch Erfolge werden Schülerinnen und Schüler motiviert sein, sich neue Ziele zu setzen. Die muss im Unterricht angebahnt werden. Mit dem Start in Klasse 5 werden die Schüler schrittweise an die Selbsteinschätzung des eigenen Lernverhaltens und eigenen Zielset­zung herangeführt. Dies erfolgt verstärkt im Segelunterricht oder auch in Klassenlehrer­stunden. Durch Auseinandersetzung mit den eigenen Stärken und Schwächen lernen die Schülerinnen und Schüler sich eigene kleine und in einem überschaubaren Zeitraum er­reichbare Ziele zu setzen, die sie eigenverantwortlich verfolgen. Die Schüler übernehmen dadurch zunehmend Verantwortung für ihren Lernprozess.

In den Segelstunden legen die Schülerinnen und Schüler zu Beginn der Stunde ihre indi­viduellen Arbeitsziele fest und reflektieren am Ende der Woche das Erreichen der selbstgesteckten Ziele.

Das Tor der Woche

Eine weitere gute Möglichkeit mit den Schülerinnen und Schülern die Arbeit mit individu­eller Zielsetzung / Lernvereinbarungen zu beginnen, ist „Das Tor der Woche“. Die Schüle­rinnen und Schüler nehmen sich ein Ziel vor, das sie in den nächsten 1-2 Wochen errei­chen wollen. Das Ziel kann aus dem Bereich der sozialen oder personalen Kompetenzen stammen und z.B. das eigene Verhalten, den Umgang mit anderen, den Umgang mit Re­geln o.Ä. betreffen. Oder es betrifft den Bereich der kognitiven Kompetenzen und die in­dividuellen Lernleistungen im Fachunterricht. Die Ziele müssen machbar, erreichbar und kontrollierbar sein. Zu Beginn erhalten die Schüler Formulierungstipps. Zur Unterstützung suchen sich die Schüler jeweils einen Paten aus, der darauf achtet, dass sein Schützling sein Ziel nicht aus den Augen verliert und gegebenenfalls konkrete Hilfe leistet. Gleich­zeitig ist jeder Schüler selbst Pate für einen anderen Mitschüler. Schüler übernehmen dabei Verantwortung für sich und einen anderen. Sie müssen mit sich selbst ehrlich sein und den Partner ermutigen und motivieren das Ziel zu erreichen. Nach einer festgelegten Zeit, aber noch vor dem Zieltermin, wird in der Klasse im Stuhlkreis überprüft, wer sei­nem Ziel schon näher gekommen ist. Karten dieser Schüler werden weiter an das Tor herangerückt oder auf den Pfosten gesetzt. Für Schüler, die ihr Ziel bereits erreicht ha­ben, wird der Ball ins Tor geheftet und als Erfolg gewürdigt. Am Zieltermin wird im Stuhlkreis entschieden, wer endgültig ein Tor geschossen hat und wer nicht. Bei Nicht-Errei­chen des Zieles ist es wichtig zu klären, woran es gelegen hat.

Evaluation der Lernentwicklungsgespräche

Die Evaluation zum Ablauf der Lernentwicklungsgespräche erfolgt im Anschluss an die Gespräche innerhalb eines Monats durch eine Onlinebefragung der Eltern. Zum Ende des Schuljahres werden in einer Klausurtagung der Hausleitungen die Ergebnisse der Onlinebefragung, die Lernvereinbarungen der Schülerinnen und Schüler sowie die Ergebnisse der Nachbesprechungen von den Hausleitungen analysiert, das Verfahren reflektiert und gegebenenfalls Anpassungen bzw. Änderungen vorgenommen.


[1] Vgl. in Hessen „triangulierte Beratungsgespräche“ /Begegnung auf Augenhöhe – Schulbegleitende Gespräche

zu dritt. Hessisches Kultusministerium, 2013.