Zum Inhalt springen

Michel Friedman zu Gast an den NBS

Erstellt von Manuela Penning |

„Menschenrechte sind das Recht, Rechte zu haben.“

(Hannah Ahrendt)

Nach einer musikalischen Einleitung durch Marcel Hitzel begrüßte Frau Döbert am 24. Januar 2023 neben den Schüler*innen der Oberstufe sowie unseren Bürgermeister Herrn Rotter und die ehemaligen Bürgermeister Herrn Kern und Herrn Maurer den mit Spannung erwarteten Frankfurter Publizisten und Philosophen Michel Friedman.

Er wurde anlässlich des Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus, der in Deutschland jedes Jahr am 27. Januar begangen wird, vom Organisator der Veranstaltung, Herrn Zies, eingeladen. Dieser machte deutlich, dass Erinnern für uns als Demokratie wichtig sei und die Biografie von Michel Friedman dazu guten Anlass gebe.

Diese Biografie stellte Herr Friedman dann kurz selbst vor: Er sei „auf einem Friedhof“ großgeworden, seine Eltern und eine Oma seien die einzigen Familienmitglieder, die die Schoah überlebten, weil sie auf der Liste von Oskar Schindler standen. Die Familie zog nach dem Krieg von Paris, wo Michel Friedman geboren wurde, als Staatenlose nach Frankfurt. Hier besuchte der 10-jährige das Goethe-Gymnasium – und kam sich fremd vor. Die Sprache nicht sprechend, die Kleidung französisch-elegant statt Parka und Jeans. Er sei ausgelacht worden. Ihm sei früh deutlich geworden, dass er als „ausländisches Kind“ nur über Bildung eine Chance habe; Bildung als einzige Möglichkeit, einen Weg ins Leben zu finden, selbstbestimmt zu sein. Bildung auch als Grundlage, um überhaupt zu erinnern. Bildung, um zu erkennen, dass die Vorurteile der anderen „Mist“ seien.

Leider gebe es viele Vorurteile, kein Mensch sei frei davon. Eltern gäben Vorurteile an ihre Kinder weiter, die (christlichen) Kirchen an die Gläubigen, allgemein Menschen untereinander. Dabei seien Vorurteile emotional, sie stellten Konstruktionen von anderen dar, die nicht überprüft würden. Respektlos würde man sich „von oben herab“ Menschen gegenüber verhalten. Diese Vorurteile könnten nur durch Nachdenken überwunden werden, dies sei „die anstrengendste Arbeit für alle“, zu der uns Herr Friedman aufrief.

1933 brachten Vorurteile einige Menschen dazu, anderen Menschen das Mensch-sein abzusprechen. Heute haben wir die Menschenrechte, jeder ist jemand, aber auch heute gebe es wieder einige, die sagen, andere seien niemand. Michel Friedman fragt, wie es dazu kommen konnte. Er fragt, wie es zum Holocaust kommen konnte. Er fragt, was wir machen, wenn wir nicht Menschen seien, die „normal“ sind.

Seine eigene Antwort: Millionen von Menschen hätten jahrelang nicht NEIN gesagt. Nichts sei neu am Rassismus, nichts sei neu am Judenhass, es gelte zu handeln. Oskar Schindler sagte, man könne immer etwas tun. Und er tat viel gegen das System in einer Diktatur. Herr Friedman verdeutlicht, dass wir heute überhaupt keine Möglichkeit und vor allem keine Entschuldigung hätten, nichts zu tun, weil wir in einer Demokratie lebten. Es möge Rückschläge geben, Fehlschläge, Frust, aber es gebe keine Alternative, nichts zu tun. Es gehe darum, nicht gleichgültig zu sein, sich zu engagieren, die eigene Zukunft in die Hand zu nehmen, das eigene Leben zu verhandeln. Man sei immer in der Selbstverantwortung, ob in der Demokratie oder in der Diktatur, es lohne sich und sei sinnvoll, sich einzumischen. Da er kein Zyniker sei, nehme er an, dass wir die Grenzen aufbrechen würden, die andere gesetzt hätten.

Nicht verhandelbar seien dagegen die Menschenrechte, da wir mit dem Mensch-sein kein Recht darauf hätten, über diese zu verhandeln. Die Idee der Menschenrechte sei eine der größten Ideen und wir Demokraten stünden auf dem Boden der Menschenrechte.

Sozusagen von hier aus ruft uns Michel Friedman dazu auf, den Anfängen zu wehren. Aber wo liegt der Anfang? Wo beginnt Rassismus? Wann beginnt die Ermordung eines Menschen? Eine Antwort darauf zu geben ist schwer bis unmöglich. Wichtig sei hier, sich früh zu engagieren, wichtig sei auch, dass sich viele engagieren. Je später gegen Rassismus oder Demokratiefeindlichkeit angegangen wird, desto risikoreicher werde es, je weniger sich engagieren, desto schwieriger sei es. Also wieder: Wehret den Anfängen!

Trotzdem sollten wir nicht einfach mit Hass auf Hass antworten. Hass auf Hass gebe noch mehr Hass, aber beinhalte keine Lösung. Hass in einer Gruppe als Leidgefühl sei kein gutes Lebensgefühl. Man vergifte sich selbst mehr als die anderen. Glücklich werde man so nicht.

Was rät uns Michel Friedman also?

Wer fremdbestimmt lebt, lebe unglücklich. Soweit wie möglich gelte es also, selbstbestimmt zu leben. Das habe viel mit Eigenverantwortung zu tun und könne niemandem mehr zugewiesen werden. Und er endet mit den Worten: „Ich glaube an uns Menschen, ich bin verantwortlich, andere sind verantwortlich, jeder ist selbst verantwortlich.“

Zurück
Friedman_Banner.jpg
FRiedman-Bild.jpg

my NBS - Aktuelles - Infos - Hinweise - Termine

Orchester-Werbeprobe.jpg
"Wir haben Spaß - mach doch mit!" war die Devise am Probentag der kleinen & großen Orchester-Mitglieder im 'Roten Oswald':

Nach einer kurzen Aufführung durften alle Schüler*innen aus dem Jg. 5 die Instrumente - Trompete, Querflöte, Euphonium und Posaune - selbst...

Weiterlesen


Einblicke in das Schulleben

Friedman_Banner.jpg
Michel Friedman zu Gast an den NBS

„Menschenrechte sind das Recht, Rechte zu haben.“ ...

Weiterlesen